Evangelische Kirchengemeinde Buchen

 

Die St. Bonifatiuskirche in Mittelbuchen

Lage: Obertorstrasse 12, 63454 Hanau


Geschichte

Aus einem Ablassbrief, der am 6. September 1363 von 20 Bischöfen und Erzbischöfen erlassen wurde, geht hervor, dass Mittelbuchen zu diesem Zeitpunkt zwei Gotteshäuser hatte.

In der Übersetzung des Textes heißt es in dieser Urkunde: Wir wünschen also, dass die Pfarrkirche in Mittelbuchen, gegründet zur Ehre des Hl. Bonifatius und die Kapelle des Heiligen Michael gelegen auf dem Friedhof dieser Kirche...

Belegt ist der Bau einer Michaelskapelle, wie eine Urkunde vom 8. Dezember des Jahres 1344 bestätigt. Aber als diese Kapelle gebaut wurde, stand bereits eine Pfarrkirche, welche schon damals dem Heiligen Bonifatius geweiht war.

 

Somit ist die damalige Pfarrkirche die Vorgängerin unserer heutigen ev. St. Bonifatius-Kirche. Viel mehr ist uns über diese Kirche nicht bekannt, außer dass sie 1392 im Krieg von Hanau gegen Frankfurt beschädigt wurde und dass sie später wegen Baufälligkeit abgerissen werden musste.

Wann genau die ursprüngliche St. Bonifatius-Kirche gebaut wurde, ist nicht überliefert, aber es muss angenommen werden, dass dies zwischen 850 und 1150 geschehen sein kann, denn das war die Zeit, in der die Bonifatiusverehrung auf ihrem Höhepunkt war. Bonifatius wurde am 5. Juni 754, gemeinsam mit seinen Begleitern, in Friesland überfallen und erschlagen. Im Zuge der nationalen Bewegung wird Bonifatius dann zum "Apostel der Deutschen", dem sich Katholiken wie Protestanten gleichermaßen zuwenden.

Von der Michaelskapelle, die vermutlich nur ein kleines Kirchlein war, wird nach 1363 nicht mehr berichtet. Lediglich als steinernes Zeugnis dieser Zeit ist uns ein Kruzifix erhalten, welches aus der Kapelle stammt und wohl bei deren Abriss zerbrochen ist.

Martin Luther war gerade mal 11 Jahre alt, man schrieb das Jahr 1494, als der Neubau des Kirchturms beendet, und der Schlussstein mit dieser Jahreszahl über dem Eingang des Kirchturmes gelegt wurde. Das Kruzifix wurde bei den Bauarbeiten  im Mauerwerk vermauert und später im Zuge des Neubaus der Bonifatiuskirche um 1750 verputzt.  Bei Bauarbeiten im Jahr 1983 wurde es wieder entdeckt und ist heute an der Wand neben der Kanzel angebracht.

Unsere Kirche hatte es nie leicht, sie war das Sorgenkind der Gemeinde. Der 30-jährige Krieg war vorbei, die Menschen litten Not. Das Kirchendach war undicht, die Wände waren brüchig und hatten Risse durch die es hinein zog. Durch sie trieb der Wind Kälte, Regen und Schnee ins Innere.  Ein Ofen war wohl in der Kirche vorhanden, aber es konnte wegen fehlenden Geldes kein Holz zum Heizen gekauft werden.

Um wenigstens etwas Geld in die Kasse zu bekommen, wurde im Jahr 1666 der Kirchboden, welcher nicht genutzt wurde, für 6 Gulden im Jahr verpachtet. Der Pächter hat dann dort seinen selbst angebauten Tabak zum Trocknen aufgehängt.
1688 trug man sich mit dem Gedanken, die Kirche „reparieren und ausbutzen zu lassen“.
Aber erst 1698 kann der Schulmeister los geschickt werden, um eine Kollekte für Mittelbuchen zusammen zu betteln. Trotzdem dauerte es noch bis zum Jahr 1750 bis man daran gehen konnte, die alte Kirche abzureißen und einen Neubau vorzunehmen.

Im Zweiten Weltkrieg wurde beim Bombenabwurf auf Mittelbuchen am 6. Januar 1945 die Kirche zerstört und ist vollkommen ausgebrannt. Bald nach der Währungsreform von 1948 begann der Wiederaufbau. 1952 war die Kirche wieder benutzbar, 1955 war sie fertig gestellt.


Gimplinger, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereines Mittelbuchen